Einfach mal Danke sagen

Einfach mal DANKE sagen

21. Juni 2020

Das eine Info kommen wird, das wusste ich. Da es aber schon Nachmittag war, dachte ich „wenn’s schlimm gewesen wäre, dann hätten’s schon gleich angerufen“. Also wollte ich mich auf den Weg zu einem Termin mit meiner Tochter machen. Grad den Autoschlüssel in der Hand klingelt das Telefon. Die Botschaft ist bekannt.

Es war wie eine Schockstarre. Erstmal ohne jegliche Emotion. Hab das erstmal so hingenommen. Steige ins Auto und dann der Zusammenbruch. Ab diesem Moment hatte ich das Gefühl, ich spüre dieses Ding. Ich spüre es so stark, als würde es pulsieren und pochen. Es zieht und zwickt und tut weh. Der linke Arm – die ganze linke Seite tut weh, als würde dieses Scheißding seine Fühler ausstrecken. Mein Kopf brummt, die Emotionen brechen aus mir raus. Die Gedanken, die mir ständig durch den Kopf schwirren: Hat das Ding gestreut? Werde ich das überleben? Ich will das Ding weg haben. Raus! Weg! Jetzt! Sofort! Für immer! Dieser Zustand hält seit 3 Tagen an. Mal etwas weniger, mal etwas mehr. Aber das Schreiben hilft. Das Reden schon auch. Bin mittlerweile auch wieder etwas „gefasster“.

Heute hatte ich einen Termin im Brustzentrum. Das sind so unglaublich tolle Menschen. Klar, sind ja auch Profis und wissen, wie und was zu tun ist. Ich weiß, ich bin nicht alleine. Und auch in meinem Alter ist das in der heutigen Zeit nichts ungewöhnliches mehr. Die Medizin ist so weit, es gibt viele Möglichkeiten. Ich wurde darüber aufgeklärt, beraten und auch emotional aufgefangen. Starten wird meine Behandlung mit einer Chemotherapie. Um zu sehen, ob der Tumor darauf anspringt. Im besten Fall, verschwindet das Ding. Dazu wird eine Clipmarkierung gesetzt, um den Herd im Nachhinein lokalisieren zu können. Dann kommt eine OP, denn das Ding oder das was davon übrig ist, muss ja trotzdem raus. Nur weil es dann eventuell „weg“ ist, heißt es ja nicht, dass es auch wirklich „weg“ ist. Ich habe keine Angst vor einer Chemotherapie oder einer OP. Ich habe aktuell nur Angst vor diesem Scheißding! Und davor, dass da eventuell noch mehr sein könnte. Und dann ist da dieses Loch in das ich gefallen bin und das einfach nicht enden mag.

Nächste Woche kommen diverse Untersuchungen auf mich zu: CT, Knochenszinitgramm, MRT, ein Katheter (ein sog. Port) wird gelegt und eine Clipmarkierung wird direkt in den Tumor gesetzt. Ich bin unglaublich dankbar dafür, dass alles so schnell geht und nicht wochenlang auf Termine warten muss. Ich hoffe, die weiteren Untersuchungen zeigen positivere Ergebnisse…

  • DANKE an meinen Mann Flo, der immer für mich da ist, mich zu meinen Terminen fährt und dafür oft selbst viele Termine schieben muss oder gar „Car-Office“ macht, weil er nicht mit zu den Ärzten darf. Sich um mich und alles andere kümmert, wenn ich nicht in der Lage bin, irgendetwas zu tun!

  • DANKE an meine Tochter Lara, die mich so oft bei guter Laune hält, weil sie einfach normal mit diesem Thema umgeht.
  • DANKE an meine Familie und meinen feinen Freundeskreis. Ihr unterstützt mich, fangt mich auf, wenn ich traurig bin, lenkt mich ab. Ihr seid ein wichtiger Teil meines Lebens!
  • DANKE an die Ärzte, Schwestern und HelferInnen, für das geduldige beantworten meiner vielen Fragen, fürs Kümmern, für die kurzfristigen Termine, wenn es mir nicht gut geht. Eure Arbeit ist so wertvoll! Und es ist bei weitem kein einfacher Job!
  • DANKE an den Fahrdienst, Taxi Willi in Gilching, der mich immer zuverlässig und sicher in die Klinik und wieder nach Hause fährt!

  • DANKE an die schönen, fremden Menschen da draußen auf Instagram, die mir Nachrichten schicken, mir Mut machen, obwohl bei manchen das Schicksal unschöner zugeschlagen hat!

Habt euch lieb, seid gut zueinander. Seid dankbar, für das was ihr habt. Leider weiß man es oft erst dann zu schätzen, wenn von oben der Hammer drauf haut. Habt einen schönen Sonntag und genießt das Leben! Wir haben nur das eine…

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